von Uwe Schröder.
Von Innen nach Außen
Das Haus umschreibt das Wohnen einer Familie mit einer originären Architektur. Grundriss und Baukörper ergeben sich aus dem Leben, das im Haus stattfindet. Deshalb entwickelt sich die Bauform konsequent von innen nach außen, aus dem Raum der Familie in den Raum der Stadt. Die gebaute Umgebung lässt weder durch eine einheitliche Ausrichtung oder Dimension der Häuser eine übergeordnete Planung erkennen, noch wird ein vereinbarter Materialkanon sichtbar. Es scheint, als seien die nur den persönlichen Vorlieben der Bauherren entsprechenden Häuser dort abgestellt worden, wo es der Abstand zu Straße und Nachbarn gerade erlaubte.
Grundriss? Kreuzfigur!
Das eingeschossige Haus, ein mit einem flachen Satteldach gedecktes Gebäude, weicht von der Straßenkante zurück. Der Grundriss beschreibt eine Kreuzfigur, deren ungleich lange Schenkel sich in einem Kernraum treffen. In dessem quadratischen Grundriss findet der Entwurf seine Ordnung, er ist in neun Felder geteilt, die als Bandraster die Räson des Hauses bestimmen.
Der Kamin als ideelle Mitte im Massivhaus
Hier liegt der zentrale Wohnraum der Familie. Die weiteren Räume schließen asymmetrisch an, nach Süden Wohnküche und Entree, drei Schlafzimmer mit Bädern jeweils nach den anderen Himmelsrichtungen. Ein mächtiger offener Kamin zwischen Küche und Wohnraum erinnert an Gottfried Sempers Idee vom Herd als moralischem Element der Baukunst: Um das Feuer versammeln sich die Menschen seit alters her, um es herum konstituierte sich die Gesellschaft, so begann alle Kultur – und auch hier bildet es die räumliche und ideelle Mitte. So wird das Haus, das von den Bedürfnissen im familiären Zusammenleben ausgeht und in der zentrifugalen Anordnung der Räume um den Kernraum spiegelt, gleichzeitig zum idealen Abbild einer städtischen Gemeinschaft. Es ist als weiß verputzter Massivbau errichtet, die Dachkonstruktion ist aus Nagelbrettbindern ausgeführt.
Pläne und Grundrisse Massivhaus:
Architekt: Uwe Schröder
Der Architekt geht zuerst von den Bedürfnissen des familiären Wohnens aus, um zum Entwurf des Hauses zu gelangen; eine Methode, auf die nicht besonders hingewiesen werden müsste, würde andernorts nicht so oft gegen sie verstoßen.
Gebäudedaten:
- Standort: St. Augustin
- Grundstücksgröße: 2.000 m2
- Wohnfläche: 272 m2
- Anzahl der Bewohner: 4
- Bauweise: Massivbau verputzt
- Dachkonstruktion: Nagelbrettbinder
- Primärenergiebedarf: 46,54 kWh/m2a
- Fertigstellung: 2009
Fotos:
Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2011”, Callwey Verlag.