Bautagebuch: Wer sich eine Grube gräbt… (7)

Bautagebuch Architektur-Kolumne Erdaushub entsorgen Baugrube Pumpen
Spannend! Endlich tut sich richtig was auf der Baustelle.

Erdaushub entsorgen – ein leidiges Thema

Juhu – Spatenstich! Nach einigen Umschweifen war endlich das Bestandsgebäude abgerissen; die Baugrube konnte abgesteckt und ausgehoben werden. An einem Montag ging es los – und am Dienstag früh kam der Anruf: Die Deponie hatte den Aushub abgelehnt. Der Grund: belastetes Material. Was heißt „belastetes Material“? Was genau wurde gefunden? Eine Bombe? „Chemie“? Gold?! Genaueres wusste der Mitarbeiter im Büro des Tiefbauunternehmens leider nicht. Also schnell vom Büro über die Kita zur Baustelle! Und hier wurden wir dann aufgeklärt bzw. wurde uns geschildert, was das Problem war. Hierzu unten mehr …

Bautagebuch Architektur-Kolumne Erdaushub entsorgen Baugrube Grundwasser
Spatenstich! Welche Überraschungen sich im Erdreich des Grundstücks wohl finden lassen?

Grundwasser, Bodengutachten  & Pumpensysteme

Vor eine weitere große Herausforderung stellten uns der hohe Grundwasserstand sowie die sehr heterogene Bodenbeschaffenheit. Trotz eines vorherigen Bodengutachtens barg der Boden noch einige Überraschungen, je nachdem, an welcher Stelle gebuddelt wurde. Kies, Sand, so genannter für die Region üblicher See-Ton, zudem angeschwemmte Holzstücke – kurzum: alles Mögliche wurde vorgefunden. Umso weniger berechenbar war auch das Bodenverhalten und umso schwieriger die Wasserhaltung. Hier wurde Einiges an Pumpen und Systemen aufgefahren, um die Baugrube trocken zu bekommen. Und fast noch wichtiger: während des Bauens trocken zu halten! Denn wenn erst einmal die Bodenplatte gegossen ist, würde ein aufsteigendes Wasser in der Baugrube für Auftrieb sorgen und die Platte bzw. das bisherige Bauwerk möglicherweise ruinieren. Erst bei ausreichendem Gewicht – was bei uns hieß: die Kellerdecke sollte bereits drauf sein – ist man davor gefeit.

Von da an führten wir eine weitere Strichliste darüber, wie lange die Pumpen „durchhalten“ müssen.

Bautagebuch Architektur-Kolumne Erdaushub entsorgen Bauen mit Familie
Das Führen diverser Strichlisten ist sehr hilfreich. Wie lange werden die Pumpen noch durchhalten müssen?

„Was uns vorher niemand gesagt hat …“

Mit dem Erdaushub ist es so: Sobald ersichtlich ist, dass es sich um einen „nicht natürlich gewachsenen“ Boden handelt (also Waldboden, Wildwiese, …), muss eine Analyse des Aushubs veranlasst werden. Das Ergebnis gibt dann Aufschluss darüber, wo der Aushub zu entsorgen ist. Weitere Einschränkung: Die so genannte „Erdhaufenbildung“ muss für die Analyse abgeschlossen sein und der Aushub darf die Baustelle nicht verlassen, also nicht irgendwo anders zwischengelagert werden. Das kann durchaus ein Platzproblem sein! Für uns hieß es also erst einmal wieder warten – auf das Ergebnis der Analyse, da die Erdhaufen ein Weiterarbeiten unmöglich machten.

Zum Glück wurde nichts „Schlimmes“ gefunden, der Aushub konnte fachgerecht entsorgt werden und weiter ging es mit dem Abenteuer Baugrube, Wasserhaltung und dem Bangen darum, den Keller möglichst schnell fertig zu bekommen …