Bautagebuch: Das Handwerker-Casting (4)

Bautagebuch Architektur-Kolumne Handwerker gesucht Angebote einholen
Bevor man Angebote einholen kann, muss man erst einmal die Gunst der Handwerker gewinnen. Bauen boomt und Handwerker suchen nicht unbedingt nach Aufträgen.

Die Bewerbung um den Handwerker

Ja, Sie haben richtig gelesen – man könnte fast meinen, man müsse erst ein Assessment Center durchlaufen, ehe sich die Gewerke dazu bewegen, einem ein Angebot zukommen zu lassen. Die Baubranche boomt ungebrochen, über mangelnde Aufträge klagt hier niemand, eher über Zeitmangel. Dennoch: Wie es aussah, hatten wir alles so weit beisammen; ein paar Entscheidungen mussten noch gefällt werden, aber die Gewerke standen und der Start des Rohbaus wurde erstmals konkret fixiert …

Bautagebuch Architektur-Kolumne Handwerker gesucht Gewerke vergeben
In dieser Phase gleicht der Küchentisch einem Buchhalterbüro.

Welches Fenster passt zu uns?

Am intensivsten hatte uns bis dahin das Thema Fenster beschäftigt. Zum völligen Unverständnis unseres 5-Jährigen: „Ein Fenster sollte so sein, dass man durchgucken kann.“ Da ist was dran. Aber durch wie viele Fensterscheiben wollen wir durchgucken? Und womit sollen sie umrahmt sein? Holz? Kunststoff? Die Materialfrage war schnell geklärt; es soll eine Kombination aus Holz-Alu werden. Auch die Holzart (innen) sowie der Farbton für außen waren bald gefunden. Aber hier lohnt sich unbedingt das Einholen und Vergleichen verschiedener Angebote! Nach viel Verhandeln sind wir mit einem lokalen Schreinerbetrieb ins Geschäft gekommen und zugleich froh, dass wir einen persönlichen und noch dazu sehr netten Ansprechpartner direkt vor Ort haben!

Bautagebuch Architektur-Kolumne Handwerker gesucht Holzboden Muster
Der Hausbau hat noch nicht einmal begonnen, dennoch müssen bereits viele EInrichtungs-Details geklärt und ausgesucht werden.

Elektriker gesucht!

Etwas schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem Elektriker. „Sprechen wir über 2017 oder 2018?“, war die erste Frage, die wir zu hören bekamen. Zumal wir unterschätzt hatten, dass der Elektriker von A bis Z dabei ist – von der Erdung (also von der Bodenplatte) über die Definition der Deckenauslässe bis hin zur eigentlichen Verkabelung.

Auch das Thema Küche war viel weiter vorn anzusiedeln als bisher geglaubt: das betrifft einerseits wiederum die Elektrik (welche Anschlüsse müssen wo vorgesehen werden?), andererseits den Boden, wenn man ihn wie wir als Zonierung der Räume vorgesehen hat. Somit stand auch bald der erste Termin mit einem Küchenplaner an – aber hierzu im nächsten Beitrag mehr …

Bautagebuch Architektur-Kolumne Handwerker gesucht mit spitzem Bleistift gerechnet
Mit spitzem Bleistift gerechnet – beim Vergleichen der Angebote sollte man genau rechnen.

„Was uns vorher niemand gesagt hat …“

Wie schon eingangs erwähnt waren wir überrascht, wie detailliert man in diesem frühen Stadium schon alles Mögliche wissen und entscheiden muss. Und nicht nur wir waren überrascht. Als ich nach den besagten Küchenterminen in einem Studio für Wohndesign einen Strahler begutachten wollte, den wir für die Beleuchtung der Arbeitsflächen in Betracht gezogen haben, bot mir die freundliche Beraterin an, die Leuchte probehalber einmal mitzunehmen. „Das ist sehr nett, aber wir haben noch gar nicht angefangen zu bauen.“ Die Verblüffung stand ihr ins Gesicht geschrieben.