Ein Widerspruch in sich

von LOVE architecture and urbanism.

Das Haus: unkonvetionell und alltagstauglich

Ein wunderschönes Grundstück in einem Grazer Stadtbezirk, ein einschränkender Bebauungsplan und ein strenges Budget bestimmten den Entwurf dieses Architektenhauses. Die Attribute, die mit dem Haus verbunden werden sollten, hießen „einfach und trotzdem komplex, klar und doch verspielt, leicht und optimistisch, klein und doch groß“. Es sollte für die Bewohner ein Ort entstehen, der architektonisch besonders ist, aber nicht strapaziert. Also „unkonventionell, speziell – und doch sehr alltagstauglich“.

Love Architecture ein Widerspruch in sich Aussenfassade Glas
Ein Haus, das nicht verhehlt, welche widersprüchlichen Konditionen es erfüllen musste

Den Garten ins Haus holen durch Glas

Erreicht wurde diese Qualität, indem der Wohnraum das relativ große Grundstück einbezog, also mit einer fließenden Balance zwischen Haus und Garten. Das bedeutete möglichst viele subtile und vieldeutige Begrenzungen und Übergänge zwischen innen und außen herzustellen: Große Verglasungen mit Schiebetüren, die in den Garten führen, und überdachte Bereiche lassen das Haus nicht an den Außenwänden aufhören.

Love Architecture ein Widerspruch in sich Satteldach
Selbst die Verordnung eines biederen Satteldachs wurde hier schlitzohrig interpretiert

Aus jeder Richtung andersartig

Der Bebauungsplan schrieb ein Satteldach und seine Neigung vor. Für das eingeschossige Haus wurde die Vorgabe gelöst durch eine vom Sitzpodest auf der Südseite ausgehende Faltung, die mit den schräg angeschnittenen Hausflanken beginnt und den gesamten Baukörper einbezieht. So ergab sich vorschriftengerecht eine Lösung, die aber nicht wie ein konventionelles Satteldach wirkt. Die Faltung differenziert die einzelnen Bereiche und gibt der Kubatur eine eigene Spannung. Das Haus erhält eine rätselhafte Perspektive und sieht aus jeder Richtung anders aus.

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Das Dach reicht bis auf 4 Meter Höhe, als sollte der Außenraum wie mit einem Trichter eingefangen werden

Offenes Raumkonzept und erweiterbare Wohnfläche

Die Räume erreichen bis zu 4 Meter Höhe, dadurch erscheinen sie wesentlich größer. Sie sind um einen Zentralraum für Kochen, Essen, Wohnen organisiert. Große Schiebetüren verbinden die einzelnen Funktionsbereiche oder ergeben intime Kabinette. Jeder Raum lässt sich nach draußen erweitern. Selbst das Bad besitzt eine uneinsehbare Terrasse mit Außendusche, die sich über breite Flügeltüren mit dem Innenraum verbinden lässt. So verdoppelt sich seine Fläche bei passendem Wetter. Die Bauweise ist massiv, Ziegel und Beton, auch das Dach ist betoniert. Dadurch ergibt sich genügend Speichermasse für ein angenehmes Innenklima. Die Dachfläche ist mit Lärchenholzschindeln belegt. Sie dienen dem Schutz der Dachhaut und setzen gleichzeitig das Bild der Holzterrassen fort.

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Um Größe zu gewinnen, setzen allseitig große Terrassen die fließende Wohnebene fort

 

Pläne und Grundrisse:

 

Architekt: LOVE architecture and urbanism

Ein Ort, der architektonisch besonders ist, ohne den Bewohnern viel abzuverlangen; unkonventionell, speziell und doch sehr alltagstauglich

 


Gebäudedaten:

  • Standort: Graz
  • Grundstücksgröße: 880 m2
  • Wohnfläche: 147 m2
  • Zusätzliche Nutzfläche: –
  • Anzahl der Bewohner: 3
  • Bauweise: massiv
  • Dachkonstruktion: Stahlprofile mit Lärchenholz belegt
  • Heizwärmebedarf: 48 kWh/m2a
  • Baukosten: 260.000 Euro
  • Baukosten je m2 Wohn-und Nutzfläche: 1.769 Euro
  • Fertigstellung: 2010

 

Fotos:

Jasmin Schuller

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2011”, Callwey Verlag.