Chicer Schuppen

von Ute Piroeth.

Die Architektin hatte bereits Erfahrung mit Umbauten und Sanierungen in Berlin und Köln gesammelt. Ihre Häuser zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht bis zur Unkenntlichkeit verschönert wurden, sondern ihre Herkunft als Fabrik, Lagergebäude oder Plattenbau weiterhin zeigen.

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 Manchmal wurde der Aufwand bewusst gering gehalten, was auch dem Ziel nachhaltigen Wirtschaftens entspricht. Das Ergebnis, wie dieses revitalisierte Gewerbegebäude in einem Kölner Hinterhof beweist, kann sich durchaus sehen lassen. Von außen muss man genau hinschauen, um einen Unterschied zu erkennen.

Das Wärmedämmverbundsystem verrät sich am Dachrand, außerdem wurden Holzfenster mit Schwing oder Dreh-/Kippflügeln eingebaut. Vom ursprünglichen Innenleben des zweigeschossigen Büro- und Lagergebäudes, das von einem Gedärm aus Rohren und Leitungen durchzogen war, ist nichts mehr zu spüren. Weil das Haus eine geringe Raumhöhe aufwies, wurde die vorhandene Decke teilweise entfernt, sodass unterschiedliche Volumen entstanden.

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Auch die teilende Struktur der Wände wurde aufgebrochen, sodass sich ein spannungsvoller Raumfluss entwickelt. Dies war der Wunsch des Bauherrn, „Raum in Hülle und Fülle“ zu erhalten. Es entstanden 300 m² auf zwei Ebenen. Wo immer es sich anbot, wurde auf Trennwände verzichtet. Halbhohe Screens, Regale, gläserne Brüstungen, gebogene Schalen, Schiebetüren oder sich verschwenderisch bauschende Vorhänge grenzen die Funktionsbereiche ab.

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 Im Mittelpunkt der provozierend hellen Innenrauminszenierung steht eine weiß lackierte, frei tragende Holz-Stahl-Treppe. Mit ihren unterschiedlichen Laufbreiten, Podesten und ohne Geländer wirkt sie wie eine aus einem Block geschnittene Skulptur.

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Die reduzierte Möblierung auf dem grauen Zementestrich im Erdgeschoss und den gekälkten Eichendielen im Obergeschoss lässt durch eine läuternde Leere den Raum gelten. Unten verteilen sich nach klassischer Ordnung Küche, Essplatz, Wohn- und Arbeitsraum, außerdem schließt ein Musikzimmer an.

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Darüber ist auf dem Pultdach eine Terrasse aufgeständert. Auf der oberen Ebene liegt in einem Flügel ein großzügiges Elternzimmer, im anderen erreicht man Kinderzimmer, Bad, Ankleide und – selten zu finden – ein eigenes Kabinett für die Schuhe.

Pläne:

Architekt: Ute Piroeth

Der Mehrwert von guten Architekturkonzepten zeigt sich durch Raumvolumen sowie in horizontalen und vertikalen Raumvernetzungen.

Gebäudedaten:

  • Standort: Köln
  • Anzahl der Bewohner: 3
  • Wohnfläche (m²): 300
  • Grundstücksgröße (m²): 2.000
  • Bauweise: Revitalisierung Bestand
  • Baukosten gesamt: 240.000 €
  • Fertigstellung: 12/2011

Fotos:

Frank Schoepgens, Köln

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2014”, Callwey Verlag.