Ein recyclebares Haus

von Werner Sobek

Werner Sobek recyclebares Haus Glaspavillons Aussenansicht
Die Bodenplatte und das Dachschild begrenzen die offene Glasfassade

Triple-Zero-Konzept

Der eingeschossige, unterkellerte Bungalow steht auf der rückwärtigen Gartenfläche eines älteren Wohnhauses und wird durch eine private Zufahrt erschlossen. Das Grundstück besitzt parkartige Qualität mit altem Baumbestand, was eine maximale Transparenz der Fassaden erlaubt. Die technische Besonderheit ist die „Triple Zero“-Güte des Hauses, d.h. Energieverbrauch, Emissionen und Bauabfall sind gleich null.

Werner Sobek recyclebares Haus Glaspavillons Eingangsbereich
Das Haus hebt sich als Artefakt aus der gewachsenen Parklandschaft.
Werner Sobek recyclebares Haus Glaspavillon Seitenansicht
Leergut: Die Bewohner haben sich entschieden, was man tatsächlich zum Leben braucht und was sich aufzuheben lohnt.

Gläserner Pavillon

Die Bewohner erreichen es mit dem Auto durch die an der Rückseite unterirdisch angelegte Garage. Hier befinden sich neben Technik- und Kellerräumen auch ein Gästebad und eine Garderobe, eine Treppe führt nach oben in den gläsernen Pavillon, der bis auf zwei geschlossene Wandscheiben im Norden vollkommen verglast ist. Ein umlaufendes Sockelpodest und das auskragende Dach schützen die raumhohe, fast rahmenlose Glasfassade, hinter der vier schlanke Stahlstützen die notwendige Tragfunktion übernehmen. Über mächtige Schiebeelemente können Gäste das offene Wohnkontinuum betreten. Die Küche befindet sich in einer Nische, die man mit einer fahrbaren goldenen Wand abtrennen kann. Die nur andeutungsweise möblierte Wohnfläche wird ergänzt durch einen Medienraum an der Ostseite, von dem man durch eine Schleuse zwischen Ankleide und Bad das Schlafzimmer der beiden Bewohner erreicht.

Werner Sobek recyclebares Haus Glaspavillon offene Glasfassade
Der Eingang an der Ostseite erfährt keine Sonderbehandlung. Man muss nur die Glastür aufschieben.
Werner Sobek recyclebares Haus Glaspavillons Wohnbereich
Der Wohnraum changiert zwischen Versuchsanordnung und puristischer Lebensdisziplin. Hier wäre ein missratenes Architekturdetail eine Katastrophe

Das Haus erzeugt mehr Energie als es braucht

Das Gebäude besteht aus einer hochgedämmten Mischkonstruktion mit betoniertem Untergeschoss und einem Erdgeschoss aus Holz. Da man auf Klebeverbindungen und Verbundkonstruktionen verzichtet hat, ist es weitestgehend recycelbar. Alle Materialien wurden so ausgesucht, dass sie in ihrem Lebenszyklus ressourceneffektiv gewonnen, eingesetzt und weiterverwendet werden können. Auf dem Dach ist fast unsichtbar eine Photovoltaik-Anlage montiert, eine Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung bringt Komfort und eine günstige Energiebilanz, vertikale Erdsonden, Wärmepumpe und Fußbodenheizung bzw. -kühlung sorgen für eine gleichbleibende Temperatur. Insgesamt erzeugt das Haus mehr Energie, als es verbraucht. Vor allem die großzügige Verglasung erhöht passiv mit 66 Prozent die solaren Gewinne – und die Aufenthaltsqualität.

Werner Sobek recyclebares Haus Glaspavillons Gartenansicht
Zimmer mit Einsicht. Erst die Gartenvegetation schützt die Bewohner in ihrer Glasmenagerie.
Werner Sobek recyclebares Haus Glaspavillons Aufriss
In einem übertragenen Sinn gehört zur Einsicht aber auch, mit Architektur aktiv zur Energiegewinnung beizutragen.

Pläne und Grundrisse recyclebares Haus:

Architekt recyclebares Haus:

Werner Sobek

Wir müssen anders bauen. Unsere Häuser dürfen keine fossilen Energieträger benötigen, keine schädlichen Emissionen tätigen und keinen Abfall beim Bau, Umbau oder Abbau hinterlassen – sie müssen also dem Triple-Zero-Konzept folgen.

Gebäudedaten recyclebares Haus:

  • Standort: Ulm
  • Grundstücksgröße: 600 m2
  • Wohnfläche: 182 m2
  • Anzahl der Bewohner: 2
  • Bauweise: Stahlskelett, Holz (UG), Beton (EG)
  • Energiebedarf: Die jährliche Bilanz des Gesamt-Primärenergiekennwerts inkl. PV-Anlage wurde mit dem Passivhaus-Projektierungspaket bilanziert und erreicht insgesamt eine Gutschrift von 22 kW/ m2a
  • Fertigstellung: 2010

    Fotos recyclebares Haus:

    Zooey Braun, Stuttgart

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2012”, Callwey Verlag.