Spröde Eleganz

von Nissen Wentzlaff Architekten.

Eingeschossiges Haus auf altem Keller

Wie mag man diese Baumaßnahme nennen? Es ist ein Umbau, ein Rückbau, ein Ersatzbau. Auf dem Grundstück, das im Süden von altem Baumbestand begrenzt wird, stand vormals ein dreigeschossiges Wohnhaus, von dem nach dem Abriss der alte Keller erhalten blieb. Das rund 1.000 Quadratmeter große ebene Areal wird jetzt von drei korrespondierenden Elementen geprägt: dem eingeschossigen Energiesparhaus, einem – biologisch geklärten – Schwimmteich und einem kleinen Gartenhaus. Eine winkelförmige Umfassungsmauer im Süden und Westen gibt optischen Halt, vor allem, da das Ensemble durch ein einheitliches Material bestimmt wird: Beton.

Nissen Wentzlaff Architekten sproede Eleganz auf altem Keller bauen
Der rechtwinklige Baukörper hat ein Seitenverhältnis von etwa 1:2

Authentisch: unbehandelte Betonoberflächen

Im Gegensatz zu den vielen und oft vergeblichen Bemühungen, „samtglatten“ weißen Beton zu erzielen, haben die Architekten die rohen herstellungstypischen Materialeigenschaften akzeptiert und Schalungsstöße, Lunkern und wolkenartige Verfärbungen bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt. Die Außenwände sind zweischalig aufgebaut, die dunkel pigmentierten Betonoberflächen werden durch den Abdruck der horizontal verlegten Brettschalung strukturiert. Alle Ecken sind scharfkantig ausgeführt.
Der neue rechtwinklige Baukörper hat ein Seitenverhältnis von etwa 1:2, im Gegensatz zu dem ursprünglich nach Süden orientierten Wohnhaus öffnet er sich nun hauptsächlich in Ost-West-Richtung und lässt eine große Gartenfläche frei. Innerhalb der großen geschlossenen Wandscheiben sind die bodentiefen Schiebefenster zu einheitlichen horizontalen Öffnungen zusammengefasst.

Nissen Wentzlaff Architekten Haus aus Beton
Die zweischalig mit Kerndämmung ausgeführte Fassade zeigt bewusst alle Materialcharakteristika des Betons

Leben, essen, musizieren in einem großen Wohnraum

Der Grundriss ist, wie es die strenge äußere Räson erwarten lässt, deutlich gegliedert. Im Zentrum liegt ein großer Wohnraum, der zum Sitzen, Musizieren und Essen eingerichtet ist, lediglich ein Küchenblock, der unter der Decke endet, und ein neuer Kellerabgang sind als unverrückbare Einbauten erkennbar. An diesen Raum, der etwa die Hälfte der Grundfläche einnimmt, schließen an den Schmalseiten im Norden und Süden kleinere Kompartimente an, als Schlaf- und Arbeitszimmer, Bad, Gäste-WC und Abstellkammer. Mit zweiflügeligen Schiebetüren lassen sie sich abtrennen oder mit dem Wohnraum verbinden. Auch die Architektursprache setzt sich im Innenraum fort. Den Boden schließt ein Hartbetonbelag ab, die weißen Einbauten stehen darauf wie ordnende Bauelemente.

Nissen Wentzlaff Architekten grosser Wohnraum
Peripher eines großen zentralen Raums liegen die privaten Schlafräume

Pläne:


Architekt:
Nissen Wentzlaff Architekten

Ein rotbrauner Körper, vier Fenster (…) und eine Einfriedung für den Garten. In der einfachen Form findet der lebendige Alltag (…) sein Zuhause.


Gebäudedaten:

  • Standort: Basel
  • Wohnfläche: 150 m²
  • Grundstücksgröße: 1.033 m²
  • Zusätzliche Nutzfläche: 170 m²
  • Bauweise: Massivbau
  • Fertigstellung: 03/2011

Fotos:

Ruedi Walti, Basel

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2014”, Callwey Verlag.