Hölzernes Turmhaus

von Madritsch Pfurtscheller.

Madritsch Pfurtscheller Turmhaus Holzhaus Aussenansicht im Schnee
Was als Föhrenwald abgeholzt wurde, bringt das karge hölzerne Bauwerk sozusagen in Architekturform zurück.

Hölzernes Turmhaus reagiert auf Umgebung

Ein Haus, das metaphorisch auf seine Umgebung und Geschichte reagiert. Das Grundstück liegt in einem Neubaugebiet oberhalb der Kleinstadt Imst in Tirol. Sein felsiger Untergrund war mit einem kargen Föhrenwald bewachsen, der im Zuge der Erschließung leider restlos abgeholzt wurde. Als Reaktion darauf haben die Architekten für den Zweitwohnsitz ihrer fünfköpfigen Bauherrenfamilie einen kleinen Holzturm entworfen, der in seiner Anmutung und Gestaltung an die Charakteristik der ehemaligen Waldumgebung erinnern soll: Einmal ist es das Material Holz, aus dem ein schmales, baumhohes Gehäuse gezimmert wurde, es wächst einfach, roh und karg aus dem Boden, ohne das Grundstück gravierend zu verändern. Die meisten Fenster sind Fix-Verglasungen mit kleinen Öffnungsflügeln, die Wandkonstruktion besteht aus gedämmten Brettsperrholztafeln.

Madritsch Pfurtscheller Turmhaus Holzhaus Innenansicht Panoramafenster
Der Wohnraum als schlichtes, ganz mit Holz ausgeschlagenes Gehäuse ist verbunden mit Essplatz und Küche.

Geschlossene Wendeltreppe verbindet vier Ebenen

Der Zugang liegt im Untergeschoss, einer Teilunterkellerung, die auch die Technik aufnimmt. Hier sorgt eine Fußbodenheizung für angenehme Temperaturen. Darüber stapeln sich drei identische Geschosse, Holzräume, gleichzeitig verbunden und getrennt durch den geschlossenen Holzzylinder einer Wendeltreppe.

Madritsch Pfurtscheller Turmhaus Holzhaus Innenansicht Schlafzimmer
Die Kinder teilen sich ein Zimmer, das sich mit einem Vorhang abtrennen lässt.

Vorhänge als Raumtrenner

Die Grundrisse kann man als Versuchsanordnung lesen, an der exemplarisch erkennbar ist, was sich durch die Variation von Belichtung, Aussicht, Möblierung, durch andere Erschließung, Raumhöhen und -abschlüsse verändert. Die Sanitärausstattung und die gesamte Möblierung sind offen eingestellt und den unterschiedlichen Bereichen direkt zugeordnet. Als Raumteiler sind durchscheinende Vorhänge an Deckenschienen vorgesehen. Geheizt wird mit einem zweigeschossigen Kachelofen, wobei der „Kamin“ der Treppe zusätzlich das Dachzimmer der Eltern versorgt.

Madritsch Pfurtscheller Turmhaus Holzhaus Innenansicht geschlossene Treppenwendel
Eine geschlossene Treppenwendel verbindet die ansonsten offenen Wohnebenen.

Rigoroser Ansatz – überschaubare Kosten

Das Erdgeschoss wird durch eine große Holzterrasse, eigentlich eher eine Aussichtsplattform, nach außen erweitert. Der rigorose Ansatz führte zu überschaubaren Kosten, zu ökonomischen, atmosphärisch dichten Räumen, ausgeführt mit einfachen Details – im Ergebnis eine pures, poetisches Bauwerk, das diesen Ort neu bestimmt.

Madritsch Pfurtscheller Turmhaus Holzhaus Aussenansicht beleuchtet
Erschlossen wir das Holzhaus im betonierten Untergeschoss, über das eine Terrasse wie eine Aussichtsplattform ragt.

 

Pläne und Grundrisse Turmhaus:

Architekt Turmhaus:

Madritsch Pfurtscheller

Ziel waren geringe Kosten, atmosphärisch dichte Räume, einfache und einfach ausführbare Details und eine pure poetische Anmutung des Bauwerks an diesem Ort.

Gebäudedaten Turmhaus:

  • Standort: Imst (A)
  • Grundstücksgröße: 560 m2
  • Wohnfläche: 100 m2
  • Anzahl der Bewohner: 5
  • Bauweise: Holz, Beton (Keller)
  • Heizwärembedarf : 40 kWh/m2a
  • Baukosten je mWohnfläche: 1.700 Euro
  • Fertigstellung: 2011

Fotos Turmhaus:

Wolfgang Retter, Lienz

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2012”, Callwey Verlag.