Unter den drei Buchen

von Urs Niedermann Architektur.

Der Titel ist Programm. Auf dem Grundstück, knapp neben den Außenwänden des Hauses, stehen mächtige Bäume, deren Wurzeln sich nicht mit einem Kellergeschoss vertragen hätten. Deshalb wurde darauf verzichtet, das zweigeschossige Haus erhielt als Wohnraumerweiterung zur Westseite einen mauergesäumten, uneinsehbaren Gartenhof, nach Osten kam als Landschaftselement ein Kiesplatz mit einem Wasserbecken dazu, sie setzen die Außenanlagen der benachbarten Jugendstilvilla auf demselben Grundstück fort.

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Auf dem Grundstück, knapp neben den Außenwänden des Hauses, stehen mächtige Bäume, deren Wurzeln sich nicht mit einem Kellergeschoss vertragen hätten

Zur Straße hin verschließt sich der Hauskubus vollständig. Der Eingang liegt unauffällig im Winkel neben der Garage, die sich abschirmend fortsetzt als eingeschossiger Baukörper mit zwei in die Tiefe des Gartens weisenden Schlafräumen. Um so überraschender ist das Bild nach dem Eintritt. Nach wenigen Schritten steht man in einem lichtdurchfluteten, zweigeschossigen Raum, der mit Bibliothek und Kaminplatz die gesamte Gartenfront einnimmt. Eine bis zur flachen Dachdecke reichende Glasfassade öffnet die hohe Wohnhalle nach Westen und Norden, die Bäume mit ihren ausladenden Ästen und dem sich jahreszeitlich verändernden Blattgrün bilden eine beeindruckende Kulisse. Sie sorgen auch für den Sonnenschutz.

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Von der Straße wirkt das Haus introvertiert, innen überrascht eine komplette Wohnraumverglasung
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Die neugierig hervorlugende Treppe führt zu einer Galerie mit Arbeitsplatz und Esstisch

Ein moderner Kronleuchter und wenige Sitzgelegenheiten konkurrieren nicht mit dem Ausblick. Zum Schlafraum des Hausherrn und zu den beiden Kinder-/Gästezimmern führt ein schmaler Flur am Eingang. Auffallender ist der Weg auf die Empore, die von kantigen, aus der Geometrie des Kaminplatzes entwickelten Stufen erschlossen wird. Dort erwarten einen Küche und Essplatz mit  einem Freisitz über dem niedrigen Vorbau. Während man sich bei der Fassade zu einer hinterlüfteten Rohstahlfassade entschlossen hat und sich über die langfristig changierenden Patina freuen wird, bestimmt Sichtbeton die  Innenräume. Farbig gestrichenes Holz, handgehobeltes Parkett, Samtvorhänge und eine weiße Marmorküche ergänzen das Repertoire der natürlichen Materialien.

 

Pläne:

 

Architekt: Urs Niedermann Architektur AG

Der formal strenge, stählerne Baukörper öffnet sich mit riesigen Glasfronten in Richtung der Buchen mit ihrem ornamentalen Geäst, sodass beinahe der Eindruck eines Baumhauses entsteht.

 

Gebäudedaten:

  • Standort: St. Gallen
  • Wohnfläche: 165 m²
  • Grundstücksgröße: 670 m²
  • Zusätzliche Nutzfläche: 45 m²
  • Bauweise: Sichtbeton mit hinter-lüfteter Stahlfassade
  • Fertigstellung: 04/2011

 

Fotos:

Thomas Stöckli, Zürich

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2014”, Callwey Verlag.