von tausch architekten.
Historisches Flurküchenhaus
Das 250 Jahre alte Bauernhaus am Rand eines kleinen Weilers wurde zunächst als Ferienhaus erworben und später zum ständigen Wohnsitz umgebaut. Der regionalen Tradition entsprechend ist der Wohnteil ein holzverschindelter Blockbau (Strickbau), er steht auf einem Keller aus Bruchsteinmauerwerk, die angrenzende Scheune war als Holzständerbau errichtet worden. Der Grundriss entspricht typlogisch dem historischen Flurküchenhaus.
Kernsanierung inklusive Erweiterung
Der schlechte Zustand und bauliche Veränderungen machten eine grundlegende Sanierung nötig. Dabei sollten die charakteristischen Besonderheiten ohne Abstriche für den zeitgemäßen Komfort wieder gewonnen werden.
Größere Raumhöhe
Der Eingang liegt jetzt in der wiederhergestellten Flurküche, die aufgrund der geringen Raumhöhe (1,85 Meter) nach oben geöffnet wurde, sodass sich darüber eine umlaufende Galerie ergab. Von der Küche werden das neue Bad und die angrenzende Stube erschlossen, vor allem hat das Haus wieder einen zentralen Raum für Kochen und Zusammensitzen. Der Keller wurde zugunsten einer größeren Raumhöhe im Erdgeschoss zugeschüttet, die typischen Raumproportionen blieben erhalten.
Sanierte Bodendielen & Blockinnenwände
Im Obergeschoss mussten die maroden Decken ersetzt werden, auch hier wurde die Raumhöhe vergrößert. Zudem wurden eine 12 Zentimeter dicke Innendämmung mit Zellulosefasern aufgebracht, die Fenster erneuert, die alten Blockinnenwände freigelegt und die Bodendielen saniert.
Geräumiges Wohnatelier
Dabei entstand in der ehemaligen Scheune im Obergeschoss ein geräumiges Wohnatelier, aus dessen großen Fenstern man das fantastische Bergpanorama sieht. Daneben liegen ein Atelier und ein Arbeitsraum. Nach Süden und Westen ist jetzt, begünstigt durch den ansteigenden Hang, eine neue Terrasse angebaut. Im Erdgeschoss der Scheune konnte eine Einliegerwohnung eingerichtet werden.
Schwarze Scheune
Geheizt wird CO2-neutral mit Pellets. Äußerlich wurden die verschlissenen Schindeln an der Wohnfassade erneuert, die ausgebaute Scheune ist durch eine vertikale, schwarz lasierte Brettschalung abgesetzt.
Pläne:
Architekt: tausch architekten
Der schlechte Bauzustand und die baulichen Veränderungen im Laufe der 250-jährigen Geschichte des Bauernhauses machten eine umfangreiche Sanierung erforderlich. Die Eigriffe sollten die typologischen und materiellen Besonderheiten des Hauses wieder hervorbringen, ohne auf einen zeitgemäßen Komfort zu verzichten.
Gebäudedaten:
- Standort: Allgäu
- Grundstücksgröße: 2.400 m²
- Wohnfläche: 280 m²
- Zusätzliche Nutzfläche: 87 m²
- Anzahl der Bewohner: 4
- Bauweise: Holzblockbau/Strickverband (Wohnhaus); Holzständerbau (Scheune)
- Baukosten gesamt: 430.000 Euro
- Baukosten je m² Wohn- und Nutzfläche: 1.172 Euro
- Fertigstellung: 06/2012
Fotos:
Rainer Retzlaff, Niedersonthofen-Waltenhofen
Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2013”, Callwey Verlag.