Wo Alt und Neu verschmelzen

von Bachmann Badie Architekten

Bachmann Badie Architekten Anbau Fünfzigerjahre Villa Fassaden-Details
Die Fünfzigerjahre, kongenial weiterinterpretiert: der Neubau nimmt die Formensprache ungeniert auf und setzt sie, verglichen mit dem Bestandsbau, ein wenig verklärt fort.

Fünfzigerjahre-Haus kernsaniert

Eine reizvolle Aufgabe ist es, sich mit der Architektur der sogenannten Nierentischzeit auseinanderzusetzen und sie nicht nur formal weiterzuspinnen, sondern in der Fortentwicklung auch heutige Wohnansprüche und einen akzeptablen Energieverbrauch zu erreichen.

Bachmann Badie Architekten Anbau Fünfzigerjahre Villa Aussensicht
Die schrägen frühen Jahre. Von hier wirkt die Erweiterung mit den drei Fensterstreifen beinahe wie eine Kapelle. Hinter der Dachbrüstung verbirgt sich der Freisitz der Sauna.

Kongenialer Anbau

Diese Villa aus dem Jahr 1958 wurde kernsaniert und an der südwestlichen Giebelseite um einen zur Straße hervortretenden Anbau erweitert. Die Ergänzung nimmt die prägende Formensprache des Altbaus auf: mit der Dachkontur, der großzügigen Glasfassade, hinter der ein neuer Wohnraum liegt, den schräg ausgestellten Pfeilern und den gefächerten filigranen Geländern, die auch beim Altbau entsprechend erneuert wurden.

Bachmann Badie Architekten Anbau Fünfzigerjahre Villa Innenansicht Wohnzimmer mit Aquarium
Der Wohnraum erhielt einen neuen Kamin. Das wandbündige Aquarium ragt in das Badezimmer.

Energiesparende „Thermohaut“

Einen wichtigen Beitrag zur Sanierung bedeutete die Verbesserung der Wärmedämmung. Da man mit einer alles überziehenden „Thermohaut“ die schlanken Vorsprünge und auskragenden Terrassen zerstört hätte, nutzte man andere Möglichkeiten der energetischen Optimierung wie den Austausch der Fenster und der Heizungsanlage. Besondere Sorgfalt wurde auf den neuen Blickfang des Hauses, den pavillonartigen neuen Vorbau gelegt. Die in das Hanggeschoss reichende Garage ist mit lackierten Holzpaneelen im Takt der darüber liegenden Fensterpfosten verkleidet. Darauf wiederholen sich gespiegelt die gespreizten Brüstungsgitter.

Bachmann Badie Architekten Anbau Fünfzigerjahre Villa Innenansicht geschwungene Treppe
Die helle Diele holte schon 1958 Übersichtlichkeit ins Haus. Nach oben geht’s mit der raumgreifenden Treppenkurve.

Genug Platz für Gäste

Man erreicht das Haus über die neue Außentreppe entlang des Neubaus. Hier empfängt zur Linken eine weite Diele mit einer schwungvollen Treppe, wie man sie heute leider nicht mehr bauen würde. Dahinter liegt ein Wohnbereich mit neuem Kamin, Essplatz und Küchenabteil, im neuen Haus sind ein weiteres Wohnzimmer und zwei Arbeitsräume eingerichtet, wovon sich einer mit einer internen Treppe nach unten fortsetzt und dank eigenem Bad auch als Gästewohnung dienen könnte.

Bachmann Badie Architekten Anbau Fünfzigerjahre Villa Gartenfassade
Schwungvoll geht es auch zur Gartenseite zu. Akademisch ist die Spurensicherung: was ist original, was nachempfunden?

„Wellnessloggia“ unter’m Schmetterlingsdach

Im Obergeschoss kann man von einer Galerie auf die Diele zurückblicken. Hier versammeln sich drei Schlafzimmer und ein Bad mit Sauna. Die besondere Attraktion ist eine uneinsehbare Terrasse, die am Tiefpunkt hinter dem neuen Schmetterlingsdach eingeschnitten ist. In dieser „Wellnessloggia“ lässt sich die ganze Architektur genießen, deren Charme – frisch wie nie zuvor – herauspräpariert wurde.

 

Pläne und Grundrisse Anbau:

Architekten Anbau:

Bachmann Badie Architekten 

Die Form des Anbaus passt sich an die Dachform des Bestandsgebäudes an und nimmt die Themen der prägenden Elemente des Fünfzigerjahre-Hauses auf.

Gebäudedaten Anbau:

  • Standort: Bergisch-Gladbach
  • Grundstücksgröße: 900 m2
  • Wohnfläche: 310 m2
  • Zusätzliche Nutzfläche: 105 m2
  • Anzahl der Bewohner: 4
  • Bauweise: Bestandsgebäude und Keller: massiv; Neubau: Holz
  • Primärenergiebedarf: 81 kW/m2a
  • Baukosten: 470.000 Euro
  • Baukosten je mWohn- und Nutzfläche: 1.132 Euro
  • Fertigstellung: 2012

Fotos Anbau:

Damian Zimmermann, Köln

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2013”, Callwey Verlag.