Behauste Scheune

von Bernardo Bader

Bernardo Bader behauste Scheune Mischbauweise
Lattwerk: der kompakte, an ein landwirtschaftliches Ökonomiegebäude erinnernde Baukörper ist mit Weißtannebrettern verkleidet
Bernardo Bader behauste Scheune Grundstueck
Keine Angst vor großen Öffnungen. Auch Schuppen und Scheunen, die den Entwurf dieses Land-Wohnhauses beeinflusst haben, besitzen große Tore

Wohnwert durch Landschaftsverträglichkeit

Die sparsamen und funktionalen Tugenden des Bregenzerwälderhauses kennt der Architekt, er weiß, mit welchen landschaftsverträglichen Typologien man einen Wohnwert erzielen kann. Dekorative Heimattümelei käme ihm deshalb nicht in den Sinn. Er orientiert sich an den Schuppen und Scheunen, die die Landschaft bestimmen (siehe „Häuser des Jahres 2012“). Nach seinem eigenen Wohn- und Bürogebäude, bei dem die klassische Tenne als vielseitig nutzbare Loggia wiederkehrt, hat er für seinen Bruder dieses Haus gebaut.

Bernardo Bader behauste Scheune Wohnscheune
Statt Schattenfugen oder Abdeckleisten treffen hier Materialien ohne Toleranzen aufeinander. Die Treppe mit Podest und schwarzem Hintergrund führt auf den (Noch-)Speicher
Bernardo Bader behauste Scheune Badezimmer
Auch die Terrasse bleibt unter dem kompakten Volumen des Satteldachhauses

Baugeschichte fortschreiben

Es steht auf einem ererbten Grundstück und ersetzt dort ein in die Jahre gekommenes, im Lauf der Zeit vernachlässigtes Bauernhaus, das sich seit Generationen in Familienbesitz befunden hat. Dieser Umstand verpflichtete die Brüder, die Baugeschichte angemessen fortzuschreiben und „nicht die Maximierung der Möglichkeiten“ als Ziel zu setzen. Deshalb lieferten weder der weiße Bungalow noch das städtische Siedlungshaus eine Vorlage für das neue Wohngebäude, sondern ein dem abgerissenen Vorgänger ähnlicher Baukörper, der sozusagen geistesverwandt einen Dialog mit der Landschaft und vorhandenen Dorfstruktur aufnimmt.

Bernardo Bader behauste Scheune Kueche
Die Küchenzeile trennt den Essplatz vom Wohnraum. Die Bodendielen stammen aus dem abgetragenen Altbau, sie liegen auf gepressten Formziegeln, deren Lehm beim Aushub eines anderen Hauses gewonnen wurde
Bernardo Bader behauste Scheune wohnen
In den tragenden und speichernden Betonkern der Innenwände sind ein Kaminofen und ein gemütlicher Alkoven eingebaut

Mischbauweise: Beton und Holz

Der tragende und speichernde Kern, also Innenwände und Erdgeschossdecke, besteht aus Sichtbetonwänden, die Hülle aus Holzelementen mit Zellulosedämmung. Die in der richtigen Mondphase geschlagenen Stämme kommen aus dem eigenen Wald. Die über zwei Jahre währende Eigenleistung gehörte zur Qualität der Aneignung. Der kompakte Baukörper, der unter einem Dach Wohnräume, Garage und Terrassen umschließt, besitzt nach jeder Seite lediglich eine große Öffnung.

Bernardo Bader behauste Scheune Werkstatt
Natur, Material, Region, Handwerk und Sammlerleidenschaft bestimmen dieses Wohnhaus
Bernardo Bader behauste Scheune Scheune früher
Ein Foto aus alten Zeiten: das Bauernhaus vor dem Umbau

Bauernhaus wird Wohnscheune

Die Fassade ist mit Weißtannebrettern verschalt. Eine Wärmepumpe mit Tiefenbohrung und eine Solaranlage sind mit der Fußbodenheizung verbunden, außerdem gehört ein großer Holzkaminofen zum Energiekonzept. Er versorgt den über die gesamte Tiefe des Hauses reichenden Wohn-/Essbereich, den die quer stehende Küche trennt. Ein kurzer Flur verbindet zu Arbeits- und Schlafzimmern. Im Untergeschoss liegen Keller- und Werkstatträume, das Dach ist noch nicht ausgebaut. Die Böden wurden aus Altholzdielen des Bestandsgebäudes gehobelt, hier beginnt die Ausstattung mit einer Balance aus Gesammeltem und Selbstgemachtem. Platz für alles ist in einem einfach nutzbaren Volumen. Aber, gibt der Architekt zu bedenken: „Je weniger Elemente ein Gebäude erfordert, um so gravierender ist die Entscheidung für die notwendigen.“

 

Pläne und Grundrisse Wohnscheune:


Architekt:  Bernardo Bader

Es ist nicht die Enthaltsamkeit, sondern die Angemessenheit, die mich begeistert.


Gebäudedaten:

  • Standort: Doren (A)
  • Anzahl der Bewohner: 2
  • Wohnfläche (m²): 150
  • Grundstücksgröße (m²): 5.000
  • Zusätzliche Nutzfläche: 250 m²
  • Bauweise: Mischbauweise, massiver Kern aus Stahlbeton, Außenwände und Dach in Holzelementbauweise
  • Heizwärmebedarf: 20 kWh / m²a
  • Energiestandard: Niedrigenergie
  • Fertigstellung: 04/2014


Fotos:

Adolf Bereuter, Dornbirn

Dieses Haus ist erschienen in: “Häuser des Jahres 2015”, Callwey Verlag.